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Unterschrift Carl Orff

Trionfi – Trittico teatrale

»Diese Zeilen, kurz und wie gemeißelt, faszinierten mich, sie waren für mich Musik. Ein Funke sprang über und hatte gezündet.« (Carl Orff über das Distichon ›Odi et amo‹ von Catull)[1]

1934 begegnete Orff der bedeutendsten Sammlung mittellateinischer und mittelhochdeutscher lyrischer Dichtung, einer zwischen 1220 und 1250 wahrscheinlich in der Steiermark entstandenen Handschrift, die Andreas Schmeller 1847 als ›Carmina Burana‹, benannt nach dem ursprünglichen Aufbewahrungsort Kloster Benediktbeuren, herausgegeben hat. Innerhalb weniger Tage entwarf Orff eine szenische Kantate, deren Partitur er vom Frühjahr 1935 bis August 1936 ausarbeitete.[2]

Auf der Suche nach einem Ergänzungsstück zu ›Carmina Burana‹ griff Orff 1941 auf den ersten der zwei A-capella-Chorzyklen zurück, die 1930 und 1932 aus der Faszination an dem Distichon ›Odi et amo‹ des römischen Lyrikers Catull entstanden waren. Der Zyklus wurde zum Ausgangsmodell für das 1943 vollendete szenische Tanzspiel ›Catulli carmina‹.

Orff empfand die ›Carmina Burana‹ als Eröffnungsstück, ›Catulli carmina‹ als Intermedium und suchte nach einem großräumigen Finale. Der Schlußruf der Jünglinge in ›Catulli carmina‹ weckte den Gedanken an die Darstellung einer antikischen Hochzeitsfeier mit einem schließenden Trionfo (=Jubel) der Liebesgöttin. Die Partitur entstand 1949-51.

Der Zusammenschluß von selbständigen Werken unter dem Titel ›Trionfi‹, deren Entstehungszeit mehr als zwei Jahrzehnte umspannt, weist auf die Einheit von Orffs Theateridee hin, lyrische Dichtung Europas in den originalen Sprachformen der Vergangenheit als choreographisch orientiertes Musiktheater zu ›in-szenieren‹.[2]

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(›Carmina Burana‹, Bühne, Entwurf von Jean-Pierre Ponnelle, San Francisco Opera House, 1958)
(›Carmina Burana‹, Bühne, Entwurf von Jean-Pierre Ponnelle, San Francisco Opera House, 1958)

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[1] CO-Dok IV,7; [2] Werner Thomas in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, Band 4, München 1991, S.581 ff.
Abb.: OZM