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Unterschrift Carl Orff

Oedipus der Tyrann - Ein Trauerspiel des Sophokles von Friedrich Hölderlin (1959)

»...so war der Schritt von der Antigonae zum Oedipus zwingend und unausweichlich geworden,«[1]

Noch vor der Aufführung von ›Antigonae‹ (1949) entschloss sich Orff, das »Schwesterwerk« in Angriff zu nehmen. Angesichts der Länge von Sophokles' Text mußte ein geraffter Deklamationsstil mit Vorherrschaft des gesprochenen Worts gefunden werden, da sich Kürzungen für Orff verboten.
Orffs musikalisch-szenische Deutung baut auf dem Antigonae-Stil auf und löst sich noch entschiedener von opernhaften Restvorstellungen.[2]

 

(Szenenfoto, Prinzregententheater 1961)
(Szenenfoto, Staatsoper Wien 1961)
(Szenenfoto, Staatsoper Wien 1961)

   

Orff ging konsequent von der Hölderlinschen Fassung aus und brachte sie ungekürzt auf die Bühne. Da ihm sehr an einem durchgehenden Textverständnis lag, verzichtete er weit gehend auf Koloraturen und Melismen und ließ die Sänger den Text in einer direkten Umsetzung der Silben in Töne präsentieren. Darüber hinaus reduzierte er das Orchester auf einen Kern von »geschlagenen« Instrumenten, wozu wir neben Schlagzeug, Xylophon und ähnlichen Instrumenten auch den Flügel zählen wollen, von dem vier Exemplare den Orchestergraben füllten. Die Streicher beschränken sich auf einige Kontrabässe.

Carl Orff unterlegt diese auf das Wesentliche des Mythos' reduzierte Handlung mit einer äußerst sparsamen Musik, die lediglich kleine oder auch kurze dramatische Schlaglichter setzt. So gesehen kann man im Grunde genommen nicht von einer Oper reden, sondern von einem Schauspiel mit Musikunterlegung.

Den Darstellern fällt dabei eine äußerst schwierige Aufgabe zu, die darin besteht, den Ton ohne die harmonische oder melodische Unterstützung des Orchesters zu finden. Das beginnt schon in der ersten Szene, wenn Oedipus die Bühne betritt und bei schweigendem Orchester auf dem einzelnen Ton C seinen einleitenden Gesang beginnen muss. Aus dem links und rechts auftretenden Chor schält sich ein Priester heraus und antwortet ihm, ebenfalls lange Zeit auf einem einzelnen Ton, der erst zum Schluss der Deklamation sich zu einer kurzen Figur aufschwingt. Dieses Beharren auf einem einzigen Ton betont den deklamatorischen Aspekt, lenkt die Musik doch nicht durch eingängige Melodieführung vom Text ab. Außerdem gewinnt der Vortrag dadurch an Intensität und Dichte.

Nur Jokaste - als einzige Frau im Reigen der Könige und Priester - darf aus dem - im wahrsten Sinne des Wortes - monotonen Gesang ausbrechen und stärkere emotionale Aspekte durch einen variantenreicheren Gesang ausdrücken. Sie bildet den musikalischen Gegenpol zu Oedipus und Kreon, die sich im streitenden Sprechgesang gegenseitig verdächtigen, wobei Oedipus auch vor harten Drohungen nicht zurückschreckt.[3]

   

(Oedipus - Gerhard Stoltze, Tiresias - Fritz Wunderlich, Stuttgart 1959)
(Oedipus – Norbert Schmittberg, Staatstheater Darmstadt)
(Szenenfoto, Staatsoper Wien 1961)

 

Die weithin beachtete Uraufführung fand zur Eröffnung einer Orff-Woche statt. Wurde seitens der Presse der hohe Standard der Aufführung hervorgehoben, so waren die Meinungen zum Werk selbst überwiegend kritisch. Das Verständnis wuchs jedoch mit den folgenden Aufführungen.[2]

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[1] CO-Dok VII,207; [2] Werner Thomas in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, Band 4, München 1991, S.581 ff.; [3] www.egotrip.de/theater/0607/0607_Oidipus.html, Großes Haus des Staatstheaters Darmstadt, Aufführung Dezember 2006, Carl Orffs Oedipus; Barbara Aumüller
Abb.: 1 Rudolf Betz; 2/3/6 Fayer Wien; 4 Foto: Madeline Winkler-Betzendahl; Deutsches Theatermuseum München
Video: Media Programm/Werner Lütje, 1990

bei der Probenarbeit zu Oedipus
mit Rafael Kubelik, 1967

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Uraufführung

Handlung