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Unterschrift Carl Orff

De temporum fine comœdia - Das Spiel vom Ende der Zeiten (1973/1981)

»Vae! Ibunt impii in gehennam ignis eterni. Vae!«
Weh! Gehen werden die Unfrommen in die Hölle des ewigen Feuers. Weh! (Sibyllenchor)[1]

Wann Orff die Vision eines Endzeitspiels gehabt hat, lässt sich nicht feststellen. Der Plan und die dahinterstehenden religiösen und geistigen Voraussetzungen sind jedenfalls über Jahrzehnte hin gereift. Dem 1970 fertiggestellten Textentwurf folgte am 20. Februar 1971 der Abschluss der Partitur.

»Nahe ist dann das Ende der Welt und der letzte der Tage.«[2]

Auf dem gattungsgeschichtlichen Hintergrund des Mysterienspiels gibt Orff eine sehr persönliche Antwort auf die Kernfrage nach dem Ende von Zeit und Welt, in der die Frage nach der Herkunft des Bösen ihr Pendant findet in der Frage: Wohin geht das Böse?[3]

   

(Bühnenbild der UA in Salzburg 1973)
(Carl Orff 1975)
(Bühnenbild der UA in Salzburg 1973)

   

In der Schlussszene rührte der Abstraktionsgrad an die Grenzen des musikalischen Theaters. Orffs Suche nach einem entmaterialisierten Raumklang führte zur Reduzierung des ursprünglichen Doppelchors vom Tonband auf kleinen Chor im Orchester und Knabenstimmen und über eine Reihe von Experimenten mit Orgelmixturen, Glasharfe und Synthesizer und Tonband zu einem der Glasharfe ähnlichen Spaltklang mit elf geriebenen Gläsern.

Die von Herbert von Karajan geleitete Uraufführung war musikalisch von Gerhard Lenssen vorbereitet worden. Regisseur und Bühnenbildner hatten die räumlichen und technischen Möglichkeiten des Festspielhauses extensiv genutzt. Diese bisher einzige Inszenierung war beim Publikum ein einhelliger Theatererfolg, die Kritik hingegen reagierte zwiespältig.[3]  

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[1] CO-Dok VIII,254; [2] CO-Dok VIII,206; [3] Werner Thomas in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, Band 4, München 1991, S.581 ff.
Abb.: OZM
Audio: Herbert von Karajan - DGG 429 859-2

AUDIO:
Venio ad te

Uraufführung

Handlung