»Elementare Musik ist nie Musik allein, sie ist mit Bewegung, Tanz und Sprache verbunden, sie ist eine Musik, die man selbst tun muss, in die man nicht als Hörer, sondern als Mitspieler einbezogen ist. « (Carl Orff)Dieser kulturübergreifende Ansatz erforderte eine besondere pädagogische Einführung und geschulte Lehrkräfte, denn vieles daran war für Musiker und Pädagogen zunächst ungewohnt: Das Instrumentarium mit Schlaginstrumenten und Blockflöten, der Tanz und vor allem die Improvisation. Nach längerer Werkstattarbeit in der Günther-Schule und mehreren pädagogischen Kursen veröffentlichte Orff zusammen mit Gunild Keetman und Hans Bergese beim Schott-Verlag Mainz 1932-1935 das ›Orff-Schulwerk. Elementare Musikübung‹. Es enthielt eine Einführung in die Praxis der Gruppenimprovisation, Hefte zur Spieltechnik der Schlaginstrumente und Kompositionen fürs Ensemblespiel. Diese erste Schulwerkpublikation überforderte die Musikpädagogen und stand im Gegensatz zum Erziehungsideologie des NS-Staats; sie wurde deshalb nicht fortgeführt. Beachtung fanden damals aber die Tanzkompositionen von Gunild Keetman für das Ensemble der Günther-Schule. Ihr Klangbild erinnert an fernöstliche Musik und ihre Kompositionstechnik verwendet zum ersten Mal minimalistische Strukturen.
______________________________________ Abb: 1-3 OZM Der unterbrochene Weg des Orff-Schulwerks wurde 1948 mit einer Sendereihe im Schulfunk des Bayerischen Rundfunks fortgesetzt, für die Carl Orff, Gunild Keetman und Gertrud Orff Sprach-, Lied- und Instrumentalgestaltungen entwarfen, die als Modelle und Ausgangsmaterial für die improvisatorische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen konzipiert waren. Die neu gegründete Firma Studio 49 begann mit der Produktion des ›Orff-Instrumentariums‹ und der Schott-Verlag veröffentlichte in den Jahren 1950-54 das ständig erweiterte Repertoire der Sendungen in fünf Bänden unter dem Titel ›Orff-Schulwerk. Musik für Kinder‹. Die Intention dieses Schulwerk-Klassikers bestand darin, einen Baukasten für einen fantasievollen Musikunterricht bereitzustellen, aus dem Lehrer/innen das Material dem jeweiligen Leistungsstand der Kinder entsprechend auswählen, variieren und mit szenischem Spiel und Tanz verbinden sollten. Damit begann die internationale Rezeption des OSWs und die Übertragung der Schulwerkausgaben in die Sprache und Kultur anderer Länder. Die erste Ausgabe erschien in Kanada, weitere für Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Italien, Spanien, Portugal, Dänemark, Schweden, Griechenland, Lateinamerika, die USA, Japan und andere Länder folgten. Zwei Langspielplatten bei Columbia/Electrola 1956/57 und eine Sendereihe des Bayerischen Fernsehens in den Jahren 1957-59 machten das OSW in weiteren Kreisen bekannt.
|
















