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Unterschrift Carl Orff

Güntherschule

»Günthers Name wirkte wie ein Magnet.«[1]

»Sie (Dorothee Günther) war längst[...]in Gymnastikkreisen als Kapazität auf diesem Gebiet anerkannt.«[3] (Die Güntherschule in der Kaulbachstraße in München)
(Die "Güntherschule München", Kaulbachstraße 16) 

Im Zuge der Rhythmus- und Tanzbewegung gründete Orff 1924 zusammen mit Dorothee Günther, einer Gymnastiklehrerin, Graphikerin und Schriftstellerin, eine Ausbildungsstätte für Gymnastik und Tanz, die Günther-Schule in München.

Der Komponist entwickelte dafür sein Konzept einer elementaren Musik, der Synthese aus Musik, Sprache und Bewegung. Ziel war die ›Regeneration der Musik von der Bewegung, vom Tanz her‹ [2].

Von Curt Sachs an außereuropäische Musik und vor allem an deren Instrumente herangeführt, stellte Orff das später so genannte Orff-Instrumentarium zusammen, das sowohl für das Schulwerk als auch für sein Bühnenwerk von grundlegender Bedeutung war.

   

»Wir begannen mit siebzehn Ausbildungsschülerinnen von 18 bis 22 Jahren. Für die Ausbildung waren zwei bis drei Jahre vorgesehen. [...]Für Propaganda war kein Geld vorhanden, aber Günthers Name wirkte wie ein Magnet; die Schülerzahl wuchs mit jedem Semesterbeginn beträchtlich. [...]Unser Start war geglückt.«[1] 1926 kommt Gunild Keetman an die Güntherschule. (Gunild Keetman 1930)
»Günther schwebte eine Schule vor, in der verschiedene Lehrausbildungen moderner Körper- und Tanzerziehung vermittelt werden sollten[...]. Sie dachte an[...]Gymnastik, Rhythmik und künstlerischen Tanz[...].«[3] (Maja Lex um 1930)
»Orffs genialer, engagierter Unterricht stand in krassem Gegensatz zu allen meinen bisherigen Erfahrungen. Wenn er sich ans Klavier setzte und anfing zu spielen[...], zauberte er neue Klänge und verstand es, uns alle Musikstile an Beispielen, die ihm gerade dazu einfielen, unvergeßlich einzuprägen.«[4] (Orff-Keetman)
»Es war eine oft hart anmutende Musik, [...]die sich meist den Gesetzen der Symmetrie und der Entsprechungen entzog(en), die neue große Räume schaffte(n). Die Einstellung auf diese zunächst fremdartige Musik erfolgt ganz unmerklich, bald wurde sie durch eigenes Improvisieren gefestigt, so daß das anfänglich Ungewohnte immer mehr einer Vertrautheit wich.«[4] (Gunild Keetman unterrichtet am Xylophon in der Güntherschule 1933)
1934 forderte Carl Diem, der Organisator der Olympischen Spiele 1936, Carl Orff auf, einen Teil der musikalischen Gestaltung der Eröffnungsveranstaltung zu übernehmen. Orff übertrug Keetman die gesamte Einstudierung und Leitung. Günther übernahm die Choreographie. »Die in- und ausländische Presse schrieb über Günthers Regie, über Musik und Tanz weitgehend positiv.«[5] (Tagprobe des Reigens im Olympiastadion, 1936)
1944 wird das Münchner Schulhaus durch die Nazis geschlossen. Es brennt am 7. Januar 1945 nach einem Bombenangriff völlig aus. »Das war das Ende der Güntherschule.«[6] (Carl Orff und Gunild Keetman 1975)

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[1] CO-Dok III,15; [2] CO-Dok III,17; [3] CO-Dok III,12; [4] Gunild Keetman: Erinnerungen an die Gunther-Schule, in: Bayerische Staatsbibliothek, Das Orff-Schulwerk (Ausstellungskatalog 18, hrsg. von Robert Münster und Renata Wagner), Tutzing 1978, S. 13/14; [5] nach CO-Dok III,204-206; [6] nach CO-Dok III,210/211
Abb.: 1-2 OZM; 3 Minna Ronnefeld; 4-5 OZM; 6 Christa Feiler
Audio: Klangdokumentation RCA 09026 68031 2; Arthur Groß - WER 4006-50

AUDIO:
Intrade f. Pauken u. Trompeten (Schulwerk Bd. V)

AUDIO:
Zu Maien, zu Maien (Schulwerk Bd. V)

AUDIO:
Ekstatischer Tanz

Güntherschule

Schulfunk

Musikhochschule München